Historie

Beginn mit der „Gewerblichen Fortbildungsschule Segeberg“

Am 16. Oktober 1878 eröffnete der Segeberger Gewerbeverein von 1870 feierlich eine „Gewerbliche Fortbildungsschule Segeberg“ für zunächst 47 aufgenommene Schüler. Diese Schule gehörte jedoch nicht zum Gewerbeverein, sondern war per Satzung selbständig und mit einem Schulvorstand aus dem Lehrerkollegium ausgestattet. Auf dem Stundenplan standen in der Woche vier Stunden Freihand- und Zirkelzeichen und je 1½ Stunden Deutsch und Rechnen in zwei Abteilungen. Kantor J. C. Hein und der Volksschullehrer C. Ehrich übernahmen den Unterricht in Deutsch und Rechnen, während der Architekt H. T. Teege die Lehrlinge im Zirkel- und Freihandzeichnen unterwies. Der Unterricht fand abends in den Klassenräumen der städtischen Knabenschule, Kieler Straße 47 (heute: AK Segeberger Kliniken GmbH u. a., Krankenhausstraße 2) statt. Die Kosten für die Beleuchtung, Heizung, Reinigung usw. übernahm die Stadt Segeberg, andere Zuschüsse kamen vom Gewerbeverein, der Sparkasse und der Landesregierung, dennoch mussten die Schüler ein Schulgeld zahlen.

Im Gebäude der Knabenbürgerschule, Kieler Straße 47, im Volksmund Holtpantüffel-Gymnasium genannt, fand am 14. Oktober 1878 der erste Berufsschulunterricht in Segeberg statt. Der Gewerbeverein hatte die

 

 

 

 

 

 

Im Gebäude der Knabenbürgerschule, Kieler Straße 47 fand am 16. Oktober 1878 der erste Berufsschulunterricht in Segeberg statt. Der Gewerbeverein hatte die „Gewerbliche Fortbildungsschule Segeberg“ gegründet und ließ die bildungswilligen jungen Männer abends in Deutsch, im Rechnen und im Freihand- und Zirkelzeichen unterrichten. Ab Juni 1930 übernahm die städtische Pflichtberufsschule das Gebäude.
Bild: Archiv Sparr 1900 – 1934

Erst am 4. Oktober 1900 gründete auch der Segeberger Detaillisten-Verein (Einzelhändlerverein) eine Kaufmännische Fortbildungsschule, die im Jahre 1925 in „Kaufmännische Berufsschule“ umbenannt wurde. Der Unterricht fand in einem Raum der Höheren Mädchenschule (heute: Kindergarten an der Marienkirche) statt, allerdings nur während des Winterhalbjahres abends von 20.30 – 21.30 Uhr. Hier wurde zunächst die Fächer Deutsch, Rechnen und Schönschreiben unterrichtet. Ab 1912 wurde der Deutschunterricht in Stenographie umgewandelt, aus dem Rechnen entstand das kaufmännische Rechnen. Und erst ab 1925 wurde Unterricht in Maschineschreiben unterrichtet. Auch hier erhob die Schule ein Schulgeld für die nebenamtlich angestellten Volksschullehrer.

Gründung der Pflichtberufsschule

Während der Inflationszeit war es dem Gewerbeverein nicht mehr möglich, ausreichende Zuschüsse für die Durchführung des Schulbetriebes zu erhalten. So musste der Verein 1923 den Unterricht größtenteils einstellen. Die städtischen Kollegien gründeten daraufhin eine städtische Pflichtberufsschule, die die Nachfolge der gewerblichen Fortbildungsschule übernahm. Im März 1925 öffnete diese städtische Pflichtberufsschule für 216 Schüler ihre Tore. Die Leitung der Schule wurde dem Segeberger Malermeister Th. Paustian nebenamtlich übertragen. Neben dem Schulleiter unterrichteten noch vier Volksschullehrer und in den technischen Fächern drei Fachkräfte, die das Handwerk und der Handel zur Verfügung stellten.

1930 wurden bereits 256 Berufsschüler in zehn Klassen unterrichtet, so dass der Segeberger Mittelschulrektor Wachholz die Schulleitung hauptamtlich übernahm. Gleichzeitig übertrug die Stadt das Gebäude der Knabenbürgerschule an die Pflichtberufsschule. Mit Staatsmitteln wurde das Schulgebäude anschließend baulich an die neuen Aufgaben angepasst.

Nach dem Fortgang des Rektors Wachholz im Jahre 1934 wurde ab Oktober 1934 zum ersten Mal mit dem Gewerbeoberlehrer Meyer ein Berufspädagoge Schulleiter in Segeberg.

Im Verwaltungsgebäude des Kreiskrankenhauses war bis 1930 die Knabenbürgerschule, dann die städtische Pflichtberufsschule und ab 1938 bis 1943 die Kreisberufsschule Segeberg untergebracht. Nach der Bombenkatastrophe in Hamburg im Juni 1943 wurde dieses Gebäude vom Kreiskrankenhaus mit übernommen.

 

 

 

 

 

 

Im Verwaltungsgebäude des Kreiskrankenhauses war bis 1930 die Knabenbürgerschule, dann die städtische Pflichtberufsschule und ab 1938 bis 1943 die Kreisberufsschule Segeberg untergebracht. Nach der Bombenkatastrophe in Hamburg im Juli 1943 wurde dieses Gebäude vom Kreiskrankenhaus mit übernommen.

Gründung der Kreisberufsschule

Nach längeren Verhandlungen der Stadtverwaltung mit dem Kreis übernahm Ostern 1938 der Kreis Segeberg die städtische Pflichtberufsschule einschließlich Gebäude. Als Schulleiter wurde der Gewerbeoberlehrer Meyer übernommen, den Unterricht erteilten nach wie vor Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen und Fachlehrkräfte. Ab diesem Zeitpunkt gab es in Bad Segeberg nun eine Kreisberufsschule und alle gewerblichen und kaufmännischen Lehrlinge des Kreisgebiets erhielten – neben Bad Bramstedt – nur noch hier Unterricht. Aufgrund der Einberufung der Lehrkräfte zum Kriegsdienst ab 1939 konnte der Schulbetrieb während des Krieges nur noch behelfsmäßig von nebenamtlichen Lehrkräften fortgeführt werden.

Nachdem das Schulgebäude in der Krankenhausstraße infolge der Bombardierungen Hamburgs 1943 als Hilfskrankenhaus beschlagnahmt und belegt wurde, konnte nur noch ein behelfsmäßiger Unterricht in den Räumen der Bürgerschule (heute Gemeinschaftsschule am Seminarweg) fortgesetzt werden.

Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Krieg gab es in Bad Segeberg für die wieder im Entstehen begriffene Berufsschule somit kein eigenes Gebäude mehr. Zunächst wurde daher jeder für einen Unterricht nutzbare Raum belegt, so auch der noch bestehende Betsaal der ehemaligen Segeberger Synagoge in der Lübecker Straße, in dem u. a. die Maurerlehrlinge von Gewerbelehrer W. Schomoker unterrichtet wurden. Bestrebungen der Schulaufsichtsbehörde, den Berufsschulunterricht von Bad Segeberg nach Lübeck, Bad Oldesloe, Neumünster und Pinneberg zu verlegen und in Segeberg lediglich zwei Internatsberufsschulen einzurichten, wurden durch Einspruch aus der Segeberger Kreisverwaltung verhindert. Auf Basis eines neuen Berufsschulgesetzes von 1946/47 entstand dann die Berufsschule des Kreises Segeberg neu, so dass ab Ostern 1948 wieder ein geregelter Unterricht aufgenommen werden konnte.

Bis zum Bau eines Schulgebäudes für die Berufsschule an der Theodor-Storm-Straße musste der Unterricht für die Berufsschüler jedoch weiterhin in verschiedenen Gebäuden innerhalb Segebergs abgehalten werden. So dienten nun auch die Jugendherberge am Kastanienweg mit sechs Unterrichtsräumen und einem Büro sowie das Verwaltungsgebäude des nunmehrigen Kreiskrankenhauses mit einem Klassenraum und der Küche als Lehrküche dem Berufsschulunterricht.

Neubau in der Südstadt

Nach knapp zweijähriger Bauzeit konnte im Juni 1954 endlich der erste Bauabschnitt der neuen Berufsschule an der gerade fertig gestellten Theodor-Strom-Straße übergeben werden. Im ersten Gebäudeflügel waren hier zunächst sechs Klassenräume, zwei Küchen und der Verwaltungstrakt mit einem großen Malerübungsraum im Dachgeschoss untergekommen. In den folgenden Jahren wurden dann nach den Plänen des Architekten Wilhelm Otto aus Bad Bramstedt sukzessive weitere Abschnitte der neuen Kreisberufsschule errichtet und bezogen.

In der Nachfolge des Direktors Feschel im Mai 1953 übernahm Gewerbeoberlehrer F. Ziegert über längere Zeit kommissarisch die Schulleitung. Im Jahre 1955 wurde Direktor Thode die Schulleitung übertragen, der sie bis zu seinem Nachfolger, Direktor Dr. Loebell, nur bis 1957 innehatte. Unter diesen Schulleitern erfolgte der stufenweise weitere Ausbau der Berufsschule. So entstanden eine Haushaltungs- und eine zweijährige Handelschule. In der Berufsaufbauklasse konnten sich junge Menschen zweimal in der Woche am Abend sowie am Sonnabend auf das Studium an einer Ingenieurschule vorbereiten.

Nach den Plänen des Architekten Wilhelm Otto aus Bad Bramstedt wurde in den Jahren nach 1954 die neue Kreisberufsschule in verschiedenen Abschnitten errichtet und nacheinander bezogen

 

 

 

 

 

 

Nach den Plänen des Architekten Wilhelm Otto aus Bad Bramstedt wurde in den Jahren nach 1954 die neue Kreisberufsschule in verschiedenen Abschnitten errichtet und nacheinander bezogen.

Ausbau und Erweiterung des Schulangebots

Am 2. Mai 1962 übernahm Direktor S. Junck die Schulleitung und führte die Kreisberufsschule 27 Jahre lang bis zum Juli 1989. Unter seiner Leitung baute der Kreis Werkstätten, Labore und Demonstrationsräume im 3. und 4. Bauabschnitt auf dem ehemaligen Gelände des Bauernfeldes an der Burgfeldstraße. Als ab 1970 immer mehr Vollzeitschulen eingerichtet wurden, wie z. B. das Berufsgrundbildungsjahr, die Berufsfachschulen, die Fachoberschule und das Fachgymnasium, mussten auch neue Räume geschaffen werden; so erhielt die Berufsschule ab 1974 südlich der Burgfeldstraße in zwei Abschnitten das Haus B.

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Im August 1989 übernahm Direktor M. Winzig die Leitung der Beruflichen Schule des Kreises Segeberg von seinem Vorgänger S. Junck. Bis zum Jahre 2003 hatte die Schule sich mit 125 Lehrkräften, die 2414 Schüler und Schülerinnen in 137 Klassen unterrichteten, längst zur größten Schule der Stadt Bad Segeberg entwickelt. In der Amtszeit von M. Winzig wurden in den 1990er Jahren die Kfz- und Metallwerkstätten modernisiert, Fachstufenlabore und ein Lernbüro eingerichtet, ein EDV-Raum, ein Klausurraum und ein Besprechungszimmer geschaffen. Zusätzlich wurde 1994 der Verwaltungstrakt umgebaut; dennoch ist der Charakter seines Baustils aus dem Jahre 1953 erhalten geblieben.

Im Sommer 2001 schied Direktor M. Winzig aus dem aktiven Dienst aus. Sein Nachfolger wurde R. Kohlmeyer, der im September 2001 die Leitung der Beruflichen Schulen übernahm. Unter der Leitung von R. Kohlmeyer wurde im Jahr 2012 aus der Beruflichen Schule das Regionale Berufsbildungszentrum des Kreises Segeberg, als rechtsfähige Anstalt öffentlichen Rechts gegründet.

Quelle: Heimatliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 2003.