Vielfalt ist unsere Stärke

Dein Kompetentes Regionales
Berufsbildungszentrum in und um Bad Segeberg

 

Direkt KontaktierenMehr über BBZ erfahren

Stoppt gewalttätige Übergriffe! – Wozu ein Blumentopf gut sein kann

Der Kurs Darstellendes Spiel BG TW 24 bürstet das Drama „Der zerbrochene Krug“ (1806) von Heinrich von Kleist gegen den Strich.

Warnung: Der folgende Artikel bespricht Aspekte sexueller Gewalt.

 

Zum Schuljahresabschluss der Kurse Darstellendes Spiel in der gymnasialen Oberstufe gehört eine Werkschau, in der die Schülerinnen und Schüler ihr Können vor ausgewähltem Publikum auf der Bühne zeigen. Die Inhalte wählen die Kurse selbstständig.

Als im Kurs BG TW 24 der Wunsch geäußert wurde, sich mit dem Theaterstück „Der zerbrochene Krug“ auseinanderzusetzen, das zugleich Abiturzentralthema im Deutschunterricht ist, war schnell klar, dass wir das Handlungsgeschehen nicht einfach nachspielen, sondern Widersprüche aufdecken und starke widerständige Charaktere darstellen wollten. 

Das Drama spielt in einem niederländischen Dorf während des 30-jährigen Krieges. Im Zentrum stehen der übergriffige Richter Adam und sein minderjähriges Opfer Eve.

In der Werkschau machten wir deutlich, welche Wunden bei einem Kind auf Gewalterfahrung hindeuten können. Sie gleichen denen, die der Täter Adam im Dramenoriginal von einer nächtlichen Prügelei davonträgt. Erstaunlicherweise konnten wir einige Sätze des Angreifers mühelos in den Mund des Opfers Eve legen und damit eine sehr realistische Darstellung einer solchen Tat präsentieren.

Während der Richter sein Opfer nötigt, zerstört er den Krug von Marthe, der Mutter des Mädchens. Seit dem Mittelalter symbolisiert ein beschädigter Krug die Verletzung des (weiblichen) Körpers[1].

Im Gerichtsprozess um den „zerbrochenen Krug“ erzählt Marthe, dass der Familienkrug ein Jahrhundert voller Kriege unbeschadet überstanden habe. Tatsächlich ist (sexuelle) Gewalt leider Bestandteil jeder kriegerischen Auseinandersetzung. Dem entsprechend widersprachen die Schülerinnen und Schüler in der Werkschau pantomimisch, indem sie Kampf- und Verwundungsszenen zeigten und Schilder hochhielten, die aufklärten: „Krieg ist gleich (sexuelle) Gewalt.“

Besonders wichtig waren uns Veränderungen der Figurenrollen: Die Mutter und der Verlobte des Opfers halten uneingeschränkt zu ihm. Zum Schluss schlägt unsere Eve dem Angreifer den Krug – auf der BBZ-Bühne ein Blumentopf – gegen den Kopf, so dass ihm Hören und Sehen vergehen.

Dem Kurs ist eindrucksvoll gelungen, starke junge Menschen darzustellen, die ein unterstützendes soziales Netz haben und sich erfolgreich gegen Übergriffe wehren. Besonders hervorzuheben sind die überzeugenden Leistungen der jungen Frauen, die in wechselnder Besetzung Eve dargestellt haben.

Im Laufe unserer Arbeit haben wir uns mit verschiedenen Opfer- und Präventions-Beratungsstellen in Bad Segeberg, Bad Oldesloe und bei der Bundeszentrale für politische Bildung auseinandergesetzt. Ihre Aufklärungsmaterialien haben wir in unserer eigenen Textproduktion berücksichtigt (s.u.).

B. Marschall, Fachlehrerin für DarSp

 

Landesfachverband Frauenberatung Schleswig-Holstein e. V
Frauen helfen Frauen Stormarn e.V.
AKJS (Aktion Kinder- und Jugendschutz) Schleswig-Holstein  
Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauches bei der Bundesregierung

Du hast Gewalt erfahren und suchst Hilfe?
Hier im BBZ kannst du dich wenden an das Beratungszentrum „upgrade“:
Christina.weiss@bbz-se.de; artur.senn@bbz-se.de; kristin.lotzkat@bbz-se.de; Christine.führer@bbz-se.de 

Überregionale Hilfsangebote: 


[1] Vgl. Jean Baptiste Greuze, La Cruche casee, 1771.

show stickybuttons